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Frankreich 2003 (Lyon - Mittelmeer - Lyon)

Dieses Jahr sollte nach 1995 mal wieder Frankreich an der Reihe sein. Im Kursbuch der Deutschen Bahn hatten wir einen direkten Zug von Stuttgart nach Lyon und zurück entdeckt. Von dort wollten wir an den Alpen entlang Richtung Provence fahren. Der Rest der Route würde sich dann schon irgendwie ergeben. Zufällig liegt auch der Mont Ventoux in dieser Gegend herum, man würde sehen.

Auf Campinggepäck haben wir dieses Mal verzichtet. Meistens haben wir in Logis de France-Hotels übernachtet und in den allermeisten Fällen sehr gute Erfahrungen gemacht. Für die tägliche Routenplanung haben wir die Michelin-Karten im Maßstab von 1:200000 benutzt. Alle weiß gekennzeichneten Straßen eignen sich hervorragend zum Radfahren. Die roten haben wir versucht, weitgehend zu umfahren. Der Straßenzverlauf ist auf diesen Karten sehr exakt wiedergegeben und die Steigungspfeile liefern einen zuverlässigen Eindruck der Anstiege, die vor einem liegen. Mit dabei war ein Reiseführer "Südfrankreich" von Ralf Nestmeyer (ISBN 3-89953-107-8) von 2003.

Anreise nach Lyon zwischen Vaucluse und Luberon Nîmes-Pont du Gard- Bagnols-s-Ceze
über Vienne nach Beaurepaire in die Alpilles Gorges de l'Ardeche
über Palais Idéal nach Pont-en-Royans Les Baux-de-Provence und Arles durch die Auvergne (1)
über den Vercors nach Die die Camargue durch die Auvergne (2)
durch das Désert nach Nyons nach Aigues-Mortes am Oberlauf der Loire
auf der Nordseite des Mont Ventoux nach Sault am Mittelmeer entlang nach Sète zurück nach Lyon
hinauf zum Mont Ventoux nach Montpellier
durch die Gorges de la Nesque nach l'Isle-sur-la-Sorgue der Tag als der Reeegen kaaam ...

Anreise nach Lyon

Der Eurocity Albert Schweitzer hat einen richtig schönen IC-Steuerwagen mit mächtig viel Platz für unser lila Reisetandem und fährt direkt von Stuttgart nach Lyon (und wieder zurück). Leider startet er schon vor sechs Uhr morgens in Stuttgart. So verpasst man wenigstens nichts vom ersten Urlaubstag.
Der Nachmittag gehört dem Sightseeing. Die Straßen der Innenstadt werden von prächtigen Gründerzeitfassaden gesäumt. Vieux Lyon besteht aus lauter verwinkelten Gassen und Hinterhöfen, abends treffen sich hier alle (Touristen) in einem der unzähligen Restaurants und Bars.
Hoch über der Altstadt liegt eine Wallfahrtskirche. Von der Terasse aus hat man einen tollen Blick über die Stadt mit der Saône und dem Rhône. Ganz am Horizont grüßen die Alpen und auf den Postkarten ist eine Stelle markiert, an der man angeblich den Mont Blanc sehen kann.

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Der Zusammenfluss von Mutter Saône und Vater Rhône Lyon aus der Vogelperspektive

Über Vienne nach Beaurepaire (72km/500hm)

Am Anfang steht meist die Stadtausfahrt. In Lyon wechselt man auf das linke Saône-Ufer und fährt auf der D15 nach Süden. Nach der Überquerung der A45 hat man die Stadt hinter sich. In Givors überquert man den Rhône auf einer napolonischen Hängebrücke. Bis Vienne fährt man jetzt leider an der Autobahn entlang durch ein Industriegebiet.
In der Vienner Innenstadt steht man urplötzlich vor einem gut erhaltenen römischen Tempel, am gegenüberliegenden Flussufer haben wir das Archäologische Museum besucht. Das Highlight sind die vielen Fußbodenmosaike und die Grundmauern einer ausgegrabenen Römerstadt.

An dieser Stelle haben wir das Rhônetal ostwärts verlassen, um durchs Hinterland Richtung Süden zu fahren. Die D538-D167 steigt stetig bis auf 450m an. Anschließnd geht es auf der D538 quer zu den Bachläufen auf und ab nach Süden bis Beaurepaire (270m).

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Die Rhônebrücke bei Givors Rathausdekoration in Vienne

Über Palais Idéal nach Pont-en-Royans (63km/550hm)

Heute ist das Palais Idéale unser erster Kulturstop. Ein Landbriefträger hat dieses Phantasiegebilde vor 120 Jahren eigenhändig und ausschließlich aus Fundmaterialien aufgebaut. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein asiatischer Urwaldtempel.
Immer weiter auf der D538 nach Süden steigt die Straße auf 480m an. Der höchste Punkt für heute erreicht. In Peyrins geht es nach links auf die D112. Auf der N92 überquert man die Autobahn, dann geht es rechts hinuter zur Isèrebrücke. In St. Nazaire-en-Royans haben wir unsere erste Tropfsteinhöhle besucht. Französich ist eine sehr angenehme Sprache. Man kann dem melodischen Singsang der Führerin zuhören, ohne ein Wort zu verstehen und ohne sich zu langweilen. Martina ist mit mehr als meinen rudimentären Kenntnisssen aus drei Volkshochschulkursen gesegnet und konnte mir dann hinterher erklären, was ich alles hätte sehen können.
Die Häuser von Pont-en-Royans liegen malerisch auf einem Felsen direkt über der Bourne. Über uns liegen schon die ersten Ausläufer des Vercors. Einzelne Hangabschnitte sind verkohlt von den Waldbränden des trockenen Sommers.

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Das Palais Idéal (Ostseite) Das Palais Idéal (Westseite) Mittagsrast und Routenplanung

Über den Vercors nach Die (62km/1150hm)

Durch die Schlucht der Vernaison geht es auf der D518 in südwestlicher Richtung 500 hm aufwärts. Glücklicherweise liegt die Straße morgens noch im Schatten der Felswände. Am oberen Ende fährt man durch die Grand Goulets. Die Straße ist dort mit vielen kleinen Tunneln direkt durch die Kalkwände des Berges geschlagen.Die Bergwände rücken immer enger zusammen und es bleibt nur noch Platz für einen schmalen Bach, der sich tief in das Gestein gesägt hat. Urplötzlich fährt man wieder in die Sonne - herzlich willkommen auf der weiten Hochebene des Vercors.
Die D178 steigt weiter an zum Col de Proncel (1100m). Eigentlich wollten wir noch einen Zwischenstopp an der Höhle la Drave Blance einlegen, in der viele Tierskelette verschiedenster Zeitalter gefunden worden sind. Auf die nächste Führung hätten wir aber noch über eine Stunde warten müssen, und der Weg nach Die ist noch weit. An der Abzweigung zum Col de la Machine treffen wir noch ein Tandem aus Karlsruhe zum Tratschen.
Die D76 steigt nochmals leicht bis zum Col de St. Alexis, dann geht es beinahe eben weiter bis zum Col de Rousset (1254m). Die Passhöhe ist ein 500m langer Tunnel. An der Ausfahrt muss man gleich links abbiegen, um die tolle Aussicht hinunter nach Die und das Tal der Drôme nicht zu verpassen.
In acht Kehren geht es jetzt auf 400m hinunter. Um einen Reifenplatzer zu vermeiden, halten wir regelmäßig an, um die vom Bremsen erhitzten Felgen zu kühlen. Über uns hängt dummerweiße eine Gewitterwolke. Allzu sehr zu trödeln scheint auch keine gute Lösung zu sein. Im Regen platzt zwar selten ein Reifen, Abfahrten machen jedoch erst recht keinen Spaß. Doch das Wetter hält.

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Col de Rosset (1254m)

Durch das Désert nach Nyons (83km/800hm)

Die ersten zwanzig Kilometer geht es auf der D93 gemütlich flussabwärts. Die ersten Kellereien laden zur Verkostung ein, noch etwas zu früh an einem heißen Tag. In Vercheny zweigt die D135 nach Süden ab. Die schmale Straße folgt der Roanne mal unten am Fluss, dann wieder über die Hochflächen.
St. Nazaire -le-Desert hat einen kleinen Laden. Mit frischen Ziegenkäse und leckerem Walnussbrot sitzen wir kurz darauf unter Platanen auf dem Dorfplatz. Über die D335 geht es weiter aufwärts bis zum Col Lescou (830m). Wegen der aktuellen Hitze wird der Blick auf umgebende Landschaft etwas durch fließenden Schweiss getrübt.
Es folgt eine kurze Abfahrt auf 600m, und weil es so schön war, geht es hinter Bouviéres wieder zum Col la Sausse (800m) hinauf. Der letzte Berg für heute ist geschafft. Es folgt eine Abfahrt auf der D70 über die Trente Pas (dreißig Engstellen)hinunter nach Nyons.
Hier erleben wir zum ersten Mal eine abendliche Boule-Session im sogenannten Boulodrôme. Alles was Kugeln hat, strömt auf dem mit Flutlicht beleuchteten Platz zusammen. Wer keine Mitspieler findet, übt sich allein in der perfekten Wurftechnik. Die Kugel wird von oben gefasst, der Spieler geht gekonnt in die Knie, die rechte Wurfhand schnellt nach oben und gibt der Kugel einen Rechtsdrall mit. Besonders effektvoll ist es, eine gegnerische Kugel beim ersten Auftippen mit Wucht zu treffen, so dass diese weit über den Platz katapultiert wird. Die meisten Spieler sind männlich, den Frauen ist wohl nur die Zuschauerrolle zugedacht.

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Im Tal der Roanne (D135) Aufstieg zum Col Lescou (D335)

Auf der Nordseite des Mont Ventoux nach Sault (67km/900hm)

Hinter Nyons fährt man durch die ersten Olivenplantagen. Doch schon bald kommt auf der D539 der Mont Ventoux in Sicht. Er ist sofort an seiner weißen Kappe erkennbar. Er wird während der nächsten acht Tage immer wieder am Horizont auftauchen. An der Departmentsgrenze biegen wir auf die D46 nach Mollans-s-Ouvèze ab. Die D5 führt entlang der Ouvèze aufwärts, nach 6 km biegt die die D72 zum Col de Fontaube (635hm) ab. Es ist wieder ziemlich heiß und die lichten Wälder im Süden Frankreichs geben wenig Schatten. Auf dem Pass legen wir uns erst mal unter einen Baum. Vor uns liegt zum Greifen Nahe der steile Nordabbruch des Mont Ventoux. Der Gipfel selbst liegt noch 1300 Höhenmeter über uns. Ich kann mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, wie ich da jemals hochkommen könnte.
Die nächsten zehn Kilometer sind Radgenuss pur. An Olivenbäumen vorbei fürht die Straße immer am Hang entlang abwärts nach Reilhanette. Auf der Terasse eines Restaurants gibt es zwei große Krüge mit Eiswasser und einen erfrischenden Salat mit Ziegenkäse.
Zwischen uns uns Sault liegen noch 12 Kilometer und 250 Höhenmeter auf der D942. In Aurel haben wir es geschafft, von hier aus geht es nur noch eben nach Sault.

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ausgetrocknete Bäche (D46) Die Ortsdurchfahrt von Mollans-s-Ouvèze Fahrradfreundliche Beschilderung Malerische Dörfer (Aurel) Der Ausblick auf Morgen

Hinauf zum Mont Ventoux (52km/1250hm)

Am Marktplatz von Sault parken schon die ersten Autos, aus denen die Rennräder geholt und fahrtüchtig gemacht werden. Hier haben wohl alle Radfahrer nur ein Ziel, den Gipfel des Mont Ventoux. Auf den Berg führen drei Straßen, die von Sault ist die längste und einfachste. Für die ersten 700 Höhenmeter lässt sich die Straße 20 Kilometer Zeit. Vom Papier her nicht besonders schwierig. Auf den letzten 6 Kilometern geht es dann nochmals 500 Höhenmeter bergauf. Außerdem beginnt dort oben die vegetationslose Kalkwüste, sie bietet keinen Schutz mehr vor Sonne und Wind.
Sault liegt auf einem Hochplateau. Die Radtour beginnt also erst einmal mit einer rasanten Abfahrt ins Tal und wird heute Nachmittag mit einem giftigen Anstieg auf dem letzten Kilometer enden. Die Straße steigt relativ schwer durch die lichten Bergwäder an. Wir können das mittlere Kettenblatt kaum halten, aber der Weg bis zum Gipfel ist noch weit. Mit kleinen Kettenblatt dauert es ja Tage bis nach oben. An der kleinen Kapelle le Ventouret sind wir erst mal platt. Unser Höhenmesser zeigt gerade mal 1000 Meter an. Da fehlen noch volle 900 Höhenmeter. Schaffen wir das denn? Notgedrungen kommt jezt immer mal wieder das kleine Kettenblatt zum Einsatz, falscher Ergeiz hilft nicht weiter. Lieber langsam bis ganz nach oben als hier nach dem ersten Drittel aufgeben.
Auf 1300 Meter der zweite Stopp! Natürlich nur um die angekündigte Aussicht auf das Hochplateau der Vaucluse zu würdigen. Deren Höhen liegen doch schon weit unter uns. Außerdem lässt die Steigung jetzt merklich nach. Fast eben rollen wir die nächsten Kilometer bis zum Chalet Reynard. Die Colapreise sind hier oben gesalzen, dabei ist es nur Pepsi. Wir sitzen draußen auf der Straße und schauen eine halbe Stunde den Radler zu, die die Strecke von Bedoin herauf kommen. Sie haben schon 1100 Höhenmeter hinter sich. Auf dem Mont Ventoux sieht man kaum einmal ein Auto, hier sind die Radfahrer größtenteils unter sich.
Hier beginnt jetzt der große Schlussantieg. Auf sechs Kilometer sind noch 500 Höhenmeter zu bewätigen. Wir starten gleich auf dem kleinen Kettenblatt. Im dritten Gang geht es die erste Rampe nach oben. Dann haben wir noch zwei Gänge in Reserve. Der zweite Kilometer wird etwas flacher. In meinem Übermut schalte ich fleißig hoch. Weiter oben lasse ich das schön bleiben. Die Kräfte kann man sich sparen. Hier enden auch die letzten Reste von Vegetation. Es bleiben nur noch helle Kalksteinbrocken übrig, es sieht aus wie eine Mondlandschaft. Auf dem Asphalt sind noch die Anfeuerungs- (oder sind es Durchhalte-)Parolen für die Profis der Tour de France zu lesen, die zuletzt 2002 hier hoch gefahren sind. Die Franzosen haben ein Faible für Kilometersteine. Sie folgen in gleichmäßigem Abstand und geben die erreichte Höhe an. Als zusätzliches Schmankerl wird hier noch die durchschnittliche Steigung auf dem nächsten Kilometer angezeigt.
Steil bricht der Berg auf der Nordseite ab. Tief unter uns erkennen wir den Col de Fontaube, wo wir gestern Mittag im Gras lagen. Wir haben es tatsächlich bis hier herauf geschafft. Der letzte Kilometer bis zum Observatorium verlangt uns nochmals alles ab. Der erste Gang kommt zum Einsatz. Noch eine letzte Rechtskurve, unser Steigungsmesser zeigt kurzfristig über 20%. Jetzt nicht mehr aufgeben. Im Zeitlupentempo rollen wir über den Zielstrich.
Wie Luthers Tintenfleck auf der Wartburg wird der wohl regelmäßig nachgemalt. Im Soveniershop erstehen wir zwei Fahrradtrikots, die wir außer zum Schlafen in den nächsten Tagen nicht mehr ablegen. Die Sicht ist diesig. Aber alle Berge rings herum sind doch deutlich niedriger. Der Wind hat aufgefrischt, irgendwie ist es unangenehm frisch. Zeit für die Abfahrt. Nach zwei Kilometer stoppen wir am Denkmal für Tom Simpson, der an dieser Stelle 1967 bei einer Tour de France-Etappe vom Rad kippte und zusammenbrach. Wenige Stunden später starb er - er hatte Aufputschmittel genommen.

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Le Ventouret Der Beginn des Schlussanstiegs am Chalet Reynard Die Mondlandschaft am Mont Ventoux Mahnmal von Tom Simpson Der Blick hinunter zum Col de Fontaube Der letzte Kilometer Das Gipfelfoto Auf der Abfahrt

Durch die Gorges de la Nesque nach l'Isle-sur-la-Sorgue (73km/150hm)

Heute geht es erholsam zu. Vom Hochplateau von Sault fahren wir von oben in die Gorges de la Nesque ein. Der kleine Fluss hat sich bis zu 300 Meter tief in das Kalkgestein eingegraben. Gut 20 Kilometer schlängelt sich die schmale D942 kurvenreich und durch kleine Tunnel den Hang hinab. Etliche Rennradgruppe kommen uns entgegen, denen wir aufmunternd zuwinken. In Mazan biegen wir nach links auf die D1 nach Pernes-les-Fontaines ein. Wir wollen noch die Grotte de Thouzon besuchen und fahren dazu auf der D28 und D16 weiter.
Von le Thor nach l'Isle-sur-la-Sorgue sind wir noch 5 Kilometer auf der N100 gefahren. Die Stadt überrascht mit dem Wasserreichtum der Sorgue, die nur wenige Kilometer entfernt entspringt. In den vergangenen Tagen sind wir immer nur an ausgetrockneten Flüsschen vorbeigefahren. An der Uferpromenade reiht sich ein Restaurant am anderen. Hier trifft sich abends der ganze Ort und recht viele Touristen. Die Innenstadt selbst besteht aus einem Gewirr von schmalen Gässchen, sehr malerisch und mit den Platanen und Bistros auch sehr französich.
Ich übernehme heute mal wieder den Part, mich im Office de Tourisme nach Übernachtungsmöglichkeiten zu erkundigen. Die Frage "Est-ce que vous avez une liste des Hôtels?" lässt sich zum einen gut einstudieren und zum anderen mit einem klaren und einfachen "Qui, Monsieur" beantworten. Es klappt wie am Schnürchen - ein Hoch auf die Volkshochschule.

Der Gorges de la Nesque l'Isle-s-la-Sorgue

Zwischen Vaucluse und Luberon (50km/750hm)

Heute ist unser großer Sightseeing-Tag durch die Highlights der Provence. Auf der D25 fahren wir acht Kilometer nach Fontaine-de-Vaucluse. Hier drängen sich am Flussufer jede Menge Souvenirläden. Sie leben alle von den Touristenströmen, die die größte Quelle Europas besuchen, welche hier aus dem Fuss einer riesigen Kalkwand austritt. Jetzt am Ende des Sommers sieht man nur einen Teich am Grund eines bestimmt zwanzig Meter tiefen Trichters. Dieser ist aber nochmals 300 (!) Meter tief. Jetzt wird die Sorgue aus zahlreichen Nebenquellen gespeist, die ihr eine ähnliche Größe wie die Blau auf der schwäbischen Alb verleihen.

In südlicher Richtung verlassen wir den Ort auf der D100A. Die Straße steigt steil an. In der letzten Kurve klettert der Steigungsmesser wieder in in Richtung 20%. Aber mit einem Mont Ventoux-Trikot darf man da wohl nicht mehr kneifen. Zum ersten Mal fühlen wir uns von der Michelin-Karte im Stich gelassen, die auf dieser Straße keinen einzigen Steigungspfeil anzeigt. Wir sind etwas in Eile, weil wir noch vor der Mittagspause das Lavendelmuseum in Coustellet besuchen wollen. Hier werden uns detailliert der Prozess der Ölgewinnung an Hand von Orginalapperaturen, Bild und Ton sowie die Unterschiede der Lavendelsorten erklärt. Im anschließenden Museumsshop hült uns eine Lavendelduftwolke ein, gegen die nicht mal unsere Fahrradtrikots ankommen.

Über die D2 geht es nach Gordes, einem provencalischen Bilderbuchdorf, das malerisch an einem Berghang liegt. Hier trifft man zwar nur Touristen, aber der Ort mit seinen schmalen Gäßchen ist einfach traumhaft schön. Nach einem Mittagessen auf dem Dorfplatz geht es weiter nach Roussillon, weltbekannt für seine Ockerbrüche. Die Ockerfelsen bestehen aus sehr weichem Gestein, das in sämtlichen Gelb-, Orange, Rot- und einigen Weißtönen schillert. Früher wurde dieser Rohstoff hier in großem Stil abgebaut und zu Farben verarbeitet. Heute kann man auf abgesicherten Wegen in den Steinbrüchen umherspazieren. Der feine Gesteinsstaub haftet überall, die Kinder rennen in schrillster Kriegsbemalung durch die Gegend.

Auf der D108 rollen wir abwärts zum Pont Julien, einer römischen Brücke, die noch heute von der D149 nach Bonnieux überquert wird. Bonnieux liegt am Nordhang des Petit Lubéron. Vom dreißig Zentimeter tiefen Balkon unseres Hotelzimmers haben wir einen phantastischen Ausblick über die gesamte heutige Tagesetappe, das Plateau de Vaucluse und den Mont Ventoux am Horizont.

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Die Kulisse von Gordes In den Gassen von Roussillion Die Ockerbrüche von Roussillion Die Ockerbrüche von Roussillion Pont Julien (D149)

In die Alpilles (80km/400hm)

Einen Kilometer hinter Bonnieux hat man die "Passhöhe" erreicht. Den Lubéron durchquert man auf schmaler kurvenreicher Abfahrt durch den Combe de Lourmarin. Der gleichnamige Ort auf der Südseite des Höhenzuges lohnt einen Besuch. Auf der D943 überqueren wir die Durance und wenden uns gen Westen. Heute herrscht Mistral-Wetter und der Wind kommt die nächsten dreißig Kilometer ziemlich genau von vorn. Über die D561 und D17 kämpfen wir uns durch die Ebene nach Eyguières. Jetzt noch zwei Kilometer auf der D569, dann können wir uns im Windschatten der Alpilles etwas erholen. Durch ein lichtes Wäldchen steigt die D25 ganz langsam an. Am Straßenrand stehen überall Schilder, die das Betreten des Waldes wegen der aktuellen Brandgefahr streng verbieten. Einige Tage später war in der Zeitung zu lesen, dass es genau hier zu einem größeren Brand gekommen ist, der vom Mistral zusätzlich angefacht wurde.
Die "Passhöhe" ist bei 230 Meter erreicht. Die höchsten Gipfel rings herum gerade mal 100 Meter höher. Das Gefälle auf der D24 reicht gerade aus, um sich gegen den Wind nicht gar zu sehr zu verausgaben. Am Waldrand müssen wir dann doch anhalten. Im Nordosten grüßt von ferne der Mont Ventoux. Die D99 führt topfeben und kerzengerade nach St. Rémy-de-Provence.
Die Sonne scheint noch so schön an den Hotelpool und so lassen wir den Nachmittag im Liegestuhl ausklingen und planen die nächsten Flachetappen am Mittelmeer.

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Das hätte uns mal auf der Straße begegnen sollen Endlich (Wind-) Schatten (D25) Panorama der Alpilles (D25) Routenplanung am Hotelpool

Les Baux-de-Provence und Arles (30km/300hm)

Im September beginnt in Frankreich die Herbstsaison (in Skandinavien warteten wir schon mal am 15.August bei brütender Hitze auf eine Fähre, die nach dem Winter(!)-Fahrplan eben später fuhr). Die Römerstadt Glanum hat jetzt Montags geschlossen und so mussten wir unser Kulturprogramm auf das frei zugängliche Stadtgründungstor und ein Mausoleum beschränken. Um nicht wieder nach St. Rémy zurückzufahren, überqueren wir die Alpilles auf der D5 und strampeln dann auf der D27 wieder hinauf nach les Baux-de-Provence, einem provencalischen Rothenburg.
Hier wimmelt es zwar von Touristen, aber die kleinen Gässchen sind einfach malerisch. In den Andenkenläden kann man sich eine komplette Wohnungsdekoration im südlichen Landhausstil zulegen. Wir entscheden uns erst mal für eine Tüte nahrhafter Kekse, die man sich in offenen Körben zusammensuchen, und dann nach Gewicht bezahlen darf. Dann konnten wir aber einer sonnengelben Tischdecke mit Olivendekoration doch nicht wiederstehen. Klein zusammengefaltet passt sie in jede Packtasche.
Kurz vor Arles fährt man auf der D17 an der Abbaye de Montmajor vorbei, die auf einem Felsen mitten im Sumpfland errichtet worden ist. Im 850 Jahre alten Kreuzgang können noch die alten, mit Pflanzenschmuck verzierten Kapitelle bewundert werden.

Arles ist eine Reise wert. Im römischen Theater stehen wir auf der Bühne, die anderen Touristen scheinen jedoch wenig beeindruckt. Ich bin es jedoch um so mehr von einem über drei Meter hohen Oleanderstrauch. Weiter geht es zum Amphitheater. Im Mittelalter hat man darin eine ganze Stadt gebaut, die durch die starken Mauern geschützt wurde. Die Altstadt haben wir vom Touristenzug aus erkundet. Es genügt, das durch Van Gogh berühmt gewordene Café de la Nuit von außen zu betrachten. Innen sind nur die Preise außergewöhnlich.

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ganz ohne Souveniers kommen wir nicht davon der romanische Kreuzgang der Abbaye de Montmajor Oleanderhecke in Arles das Amphitheater von Arles

Die Camargue (55km/0hm)

Kurz hinter Arles treffen wir die beiden Schweizer von Sault wieder. Beim Tratsch stellt sich heraus, dass wir fast den selben Weg durch die Provence gefahren sind.
In der Camargue wollen wir natürlich Flamingos, weiße Pferde und schwarze Stiere sehen und so steuern wir das Besucherzentrum des Nationalparks in la Capelière am Etang de Vaccarès an. Empfangen werden wir von Stechmücken, die sich in diesem heißen Sumpfklima ganz besonders wohlfühlen. Beim Spaziergang zu den einzelnen Vogelbeobachtungsstationen stehen wir plötzlich vor zwei Camargue-Pferden, die uns neugierig beäugen. Als Fotograf habe ich selbstverständlich das Recht, mit ausreichendem Abstand den besten Bildausschnitt zu suchen.
Unser heutiges Etappenziel ist Santes Maries-de-la-Mer. In einem Radreiseführer habe ich gelesen, dass man den Digue à la Mer mit dem Fahrrad befahren könnte. Die ersten Kilometer sind noch für Autos bei trockenem Wetter freigegeben. Der Weg besteht nämlich aus badewannen tiefen Schlaglöchern, in denen man bei unvorsichtiger Fahrweise eventuell versinken könnte. In Schlangenlinien umkurven wir die größten Hindernisse. Sobald der Weg für Autos gesperrt ist, kommen wir besser voran. Ein Deich am Mittelmeer ist nicht mit einem Nordseedeich vergleichbar. Er ist kaum einen Meter hoch. Da hier die Gezeiten fehlen, kommt es auch zu keinen ausgeprägten Sturmfluten. An einigen Stellen hat der Wind kleine Sandverwehungen aufgetürmt, die dem Fahren mit dem bepackten Tandem ein Ende bereiten. Nach wenigen Metern haben wir wieder festen Boden unter den Füßen und es kann weiter gehen. Hier sehen wir auch unsere ersten Flamingos, die sich aber auf den Fotos etwas mikrig ausmachen.
Santes Maries-de-la-Mer ist ein reiner Badeort mit vielen kleinen Hotels und Pensionen. Das Mittelmeer ist erstaunlich kalt. Mir reicht ein Fussbad bis zu den Knien.

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> Wiedersehen mit den Schweizern Camargue-Pferde Am Digue de la Mer Dünenbildung auf dem Radweg

Nach Aigues-Mortes (33km/0hm)

Seit gestern Abend fühlt sich Martina etwas fiebrig. Leider ist unser Hotel für den kommenden Tag ausgebucht. Wir beschließen, geruhsam in den Nachbarort zu radeln.
Wir verlassen den Ort auf der D38, setzen mit der Fähre über den Petit Rhône und fahren über die D85 und D58 nach Aigues-Mortes. Die Stadtanlage stammt aus der Zeit der Kreuzzüge. Die Stadtmauer ist komplett erhalten. In allen Andenkenläden gibt es Ritterrüstungen und die passende Bewaffnung für die Kinder.
Wir quartieren uns in einem Motel am Stadteingang ein und verbringen den Nachmittag mit einer Bootsfahrt durch die Kanäle rund um die Stadt. Der Dampfer ist ein echter Familienbetrieb: Papa am Ruder, Mama am Mikrofon und die beiden Kinder betreiben den Getränkeausschank und möchten gerne, dass ich meine "Deux Coca sil-vous-plais" doch bitte auf Englisch bestellen möge.
Plötzlich drängen sich dann alle auf dem Oberdeck, weil man auf einer Weide hinter dem Deich ein paar schwarze Stiere sehen kann. Na ja, das mussten wir wohl gelten lassen.

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westliche Stadtmauer von Aigues-Mortes

Am Mittelmeer entlang nach Sète (72km/0hm)

Der Hafen von Aigues-Mortes drohte schon bald nach der Stadtgründung zu versanden und so grub man einen Kanal zum Meer nach le Grau-du-Roi. Von der Mole aus sieht man schon la Grande-Motte, eine futuristische Betonsiedlung aus den 60er Jahren. Ganz interessant, um mal durchzufahren, aber als Urlaubsdomizil ist das eher nicht mein Fall. Für autogerechte Zufahrten ist jedenfalls gesorgt. Wir verfahren uns und finden uns auf einer Auffahrt zur Autostraße wieder. Glücklicherweise ist der Verkehr schwach und wir können in einem ruhigen Moment auf der vierspurigen Straße wenden.
Auf der D59 geht es am Strand entlang nach Carnon-Plage. Auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt sehen wir ein hübsches Café. Es dauert jedoch noch zehn Minuten bis wir den Hafen auf Straßen, Fußgängerbrücken und an riesigen Hochregallagern für Segel- und Motorboote vorbei umrundet haben. Der Hafen kann die Nachfrage nach Stellplätzen nicht vollständig befriedigen. Wenn man mit seinem Schiff in See stechen möchte, holt es der Gabelstapler aus seiner Box und lässt es zu Wasser. Über Pavalas-les-Flots fahren wir weiter zur alten Bischofskirche Maguelone aus dem 11 Jahrhundert, die heute einsam auf einer kleinen Anhöhe hinter dem Strand steht. Leider ist das hier eine Sackgasse. Wir müssen zurück, um auf der D116/D114 den Etang de Vic zu umrunden.
Inzwischen hat der Wind kräftig aus Süd aufgebrist. Nach der Überquerung des Küstenkanals Canal du Rhône finden wir eine kleien Bar direkt am Strand. Da das Mittelmeer keine Gezeiten kennt, grenzt die Terasse unmittelbar an die Wasserlinie. Heute braucht man in der ersten Reihe sein Essen kaum zu salzen, das besorgt die Gischt.
Einen Ort weiter sehen wir auf dem Etang d'Ingril den Kite-Surfern zu. Anstatt eines Segels lassen die Surfer einen Drachen steigen, springen aufs Brett und lassen sich so mit hoher Geschwindigkeit über das Wasser ziehen. Die Könner schaffen sogar leichte Kreuzkurse, sodass sie auch wieder zum Ausgangspunkt zurückkommen. Die meisten sind jedoch voll und ganz damit beschäftig, den Drachen in der Luft zu halten. Wie man es dann noch schafft, auf das Brett zu steigen ist mir und auch vielen der Surfer rätselhaft.
Die Einfahrt nach Sète über die N112 ist nicht sehr komfortabel - Augen zu und durch. Sète besteht eigentlich nur aus Hafen, um den herum sich die Innenstadt gruppiert. Dort sind alle Straßen eng und verstopft, so dass wir teilweise schieben. Wir quartieren und direkt am alten Hafen ein. Die abendliche Paella an der Hafenpromenade war leider nicht so bekömmlich. Martina hütete den nächsten Tag das Bett. Ich habe derweil versucht, mich am Bahnhof schlauzumachen, wie man notfalls mit dem Zug nach Lyon zurückkommt. An dieser Stelle ein Lob an die Deutsche Bahn für übersichtliche Fahrpläne und ihren Stundentakt. Der Großteil des Fahrplans von Sète schien mir aus Ausnahmen zu bestehen. Bei meinen begrenzten Französich-Kenntnissen war ich mir auch nicht hundertprozent sicher, ob der Zug im angegebenen Zeitraum fährt oder da gerade nicht. Irgendwelche Regelmäßigkeiten konnte ich in den Regionalzüge ohnehin nicht erkennen.

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le Grau-du-Roi Strandbar am Mittelmeer Sète - Canal Royal

Nach Montpellier (42/150hm)

Sète sollte der Umkehrpunkt unseres Radurlaubs werden. Zeitlich fühlten wir uns durch die kurzen Etappen der letzten Tage und des Ruhetages doch etwas unter Druck. Wir wollten aber auch die nächsten Tage nicht überziehen.
Die Ausfahrt aus Sète über die D2/D2e ist wieder sehr verkehrsreich. In Balaruc-les-Bains nutzen wir die erste Gelegenheit, von der Hauptstraße herunterzukommen. Von hier aus hat man nochmal einen schönen Blick auf das Bassin de Thau. Für eine Pause ist es jedoch noch zu früh. Wir über- und unterqueren etliche Nationalstraßen und die Autobahn und biegen dann am Ortsausgang von Poussan auf die D119e ein. In Montbazin treffen wir auf die D5. Entlang der Straße führt ein gut ausgebauter Radweg bis an die Stadtgrenze von Montpellier. Die Straßenkarte ist so gut, dass wir auf Anhieb am Arc de Triomphe, dem Tor zur Altstadt landen. In unserem Reiseführer haben wir uns das Hôtel du Palais rausgesucht, ein altes Stadthaus mit hübsch eingerichteten Zimmern. Es ist sogar noch ein Zimmer frei. Unser Fahrrad kann im Heizungskeller parken. Die Kellertreppe ist eine schmale steile Steintreppe mit einer 180° Grad Kehre, unten zweigen unmittelbar zwei Räume nach rechts und links ab. Geradeaus steht man wieder vor der Außenmauer des Hauses. Nach der ersten Begutachtung der Strecke kann ich mir nicht vorstellen, wie wir das Tandem da hinunterkriegen. Aber das Zimmer ist reserviert, jetzt können wir uns keinen Rückzieher mehr erlauben. Auf steilen Treppen ist es eh schon schwer, das Tandem zu tragen, weil man vor und hinter dem Fahrrad steht, und keine guten Griffmöglichkeiten hat. Jetzt kommt die enge Kehre. Wir schrammen vorne und hinten an den zum Glück unverputzten Kellerwänden entlang. Es fehlen die letzten entscheidenden Zentimeter. Wenn man das Rad hinten besonders hoch heben würde, sollte es doch klappen. Beinahme im Kopfstand kommen wir um die Kehre. Jetzt fehlt nur noch die 90° Kurve am Ende der Treppe. Unten ist es stockduster. Oben an der Treppe steht eine Hausangestellte, die Bettwäsche aus dem Keller holen möchte. Sie erklärt Martina wortreich, wo da unten der Lichtschalter zu finden sei. Martina übersetzt und ich kriege einfach das Licht nicht an ... Also im Dunkeln um die Ecke und aufpassen, ich nicht mit dem Tandem in die Bettwäsche falle. (An dieser Stelle möchte ich schon mal vorgreifend erwähnen, dass das Hochtragen am anderen Tag sehr viel problemloser geklappt hat.)
Wir sind heute sehr früh dran und haben viel Zeit für einen Stadtbummel. Montpellier besitzt eine wunderschöne Innenstadt mit malerischen Gässchen und prachtvollen Stadtpalais. Der eigentliche Höhepunkt ist aber Antigone, ein auf dem Reissbrett geplantes, symetrisches Stadtviertel mit griechischen Säulen und monumentalen Toren zum Gliedern der Innenhöfe.

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die griechischen Elemente von Antigone Antigone - Blick entlang der Mittelachse

Der Tag als der Reeegen kaaam ... (71/250hm)

Das Hotel-Frühstück wird von der Dame des Hauses persönlich serviert - ein Sonntag-Morgen nach Maß. Da wir sowieso nach Osten weiterwollen, besuchen wir nochmals Antigone. Diese Architektur ist einfach eine Wucht. Über die D24 kommen wir schnell und bequem aus der Stadt heraus. Im Nachbarort Mauguio ist Markttag. Wir steigen vom Tandem und schieben es mitten durch das Gewühl. In Finnland haben wir das mal mit unserem Bobyak-Anhänger gemacht. Das war dann doch etwas zu viel des Guten.
Obst und Gemüse sind schon in großen Mengen vorportioniert. Ich traue mich nicht recht, nach drei Pfirsichen zu fragen. Nicht dass ich hinterher glücklicher Besitzer von drei Paletten bin und den restlichen Tag als Wiederverkäufer verbringen muss. Immer wieder sehen wir Wagen mit Grillhähnchen und appetitlich aussehenden Haxen, aber am Anfang einer Tagesetappe liegt so etwas doch eher schwer im Magen. Auf der D24 geht es eben und ruhig weiter nach Lunel. Der Himmel hat sich schon recht dunkelgrau eingefärbt. Wir nähern uns dem Stadtzentrum, als die ersten Tropfen fallen. In unseren Gefilden hat man dann noch bequem Zeit, das nächste Café zu suchen, ganz anders am Mittelmeer. Dicke Tropfen prasseln auf die Straße. Wir haben gerade noch Zeit, unter einem Baum an einer Gartenmauer abzubremsen, da öffnet der Himmel schon seine Schleusen. Bis wir uns richtig umgezogen haben, lässt der Regen schon wieder nach. Alle Cafés und Bars sind jetzt natürlich besetzt. Am Rande der Altstadt werden wir dann fündig. Die Innenräume sehen nicht so vertrauenserweckend aus, aber draußen unter der Markise kann man schön sitzen. Es beginnt wieder zu regnen und der Patron möchte wohl gerne seine Markise einholen. Leider verstehe ich nicht so gut Französisch.
Über Nebenstraßen, fahren wir zu Perrier, der berühmten Mineralquelle von Frankreich. Als wir unser Tandem abstellen, hat es leicht zu regnen begonnen. Aber wir wollen jetzt eh eine Werksbesichtigung machen. Frankreich ist das Land der Einwegflaschen. Pfandsysteme funktionieren beim Verkauf an Endverbraucher sowieso nicht, ist sich der Führer durch die Werksanlagen sicher. Die Flaschen werden vor Ort hergestellt und vor dem Füllen mit Perrier gespült! Die Quelle schüttet sehr viel mehr, als am Markt abgesetzt werden kann und dadurch spart man sich zusätzliche Reinigungsschritte. Ich finde es faszinierend wie die Flaschen auf Förderbänder durch den ganzen Abfüllprozess durchgeschleust werden. Immer wieder gibt es Auffangflächen und Drängelgitter, um den Produktionsprozess harmonisch zu kanalisieren. Hier könnte ich stundenlang zuschauen. Ich bewundere die Produktionstechniker, die solch komplizierten Arbeitsabläufe umsetzen können.
Nach der Führung gibt es sogar kostenlos eine (!) kleine Flasche Perrier zum Probieren. Hier scheinen nicht allzu viele durstige Radfahrer vorbeizukommen. In der Zwischenzeit hat es sich so richtig schön eingeregnet. Wir drücken uns noch eine Weile im Andenkenladen herum, müssen dann aber doch der Realität ins Auge sehen, dass zwischen uns und Nîmes noch zwanzig Kilometer Wegstrecke liegen. Also rein in Regenhose, Regenjacke und die wasserdichten Socken angezogen. Da man bei starkem Regen die Karte eh nicht mehr erkennt, versuche ich mir die Streckenführung genau einzuprägen, damit wir uns zu allem Überfluss nicht auch noch verfahren. Wir folgen der D135 und wollen dann auf der D13 direkt ins Stadtzentrum fahren. Dort würde uns bestimmt ein Hotel über den Weg laufen.
Wenn man erst mal nass ist, merkt man dass die eigene Haut eigentlich ziemlich wasserdicht ist. Ich versuche, ein möglichst gleichmäßiges Tempo anzuschlagen, damit wir nicht gar zu sehr ins Schwitzen kommen. Als wir in der Innenstadt ankommen hört der Regen auch auf. Während unseres ganzen Frankreich-Urlaubs ist uns die Trockenheit an Hand von verdorrten Wiesen, ausgetrockneten Bächen und kleinen Flüssen aufgefallen. Aber wie üblich hätte es ruhig dann regnen können, wenn wir die Gegend verlassen haben.
Wir stehen vor einem internationalen Drei-Sterne Hotel. Irgendwie habe ich keine große Lust mehr, nach einem typisch fränzösichen Haus mit viel Flair zu suchen. An der Rezeption spricht man Englisch - vielmehr ich spreche Englisch und bekommen ein Zimmer, und das Tandem kann in der Hotelgarage parken. Jetzt eine lange, ausgiebige heiße Dusche und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus.
Unsere Radschuhe sind nass und so beschließe ich, an der Rezeption nach altem Zeitungspapier zum Ausstopfen der Schuhe zu fragen ... na ja, mit so einem Wunsch konnte hinter der Rezeption niemand etwas anfangen. Kein Problem, einige hundert Meter weiter liegt ja der Bahnhof. Eine deutsche Zeitung zu lesen, hätte ja auch was. Im Geiste erstellte ich mir schon eine Rangliste, nach welche Kriterien ich die Zeitung auswählen würde (Die Zeit, Süddeutsche zeitung, FAZ, ..., Die Welt, ... nein, nein, rechtzeitig vor den Boulevard-Blättern hätte ich dann schon aufgehört). Nîmes hat einen großen Bahnhof mit TGV-Verbindung und hat auch eine Bahnhofsbuchhandlung, aber keine einzige deutschsprachige Zeitung. Das hat die Einkaufsstrategie radikal geändert. Zum ersten Mal betrachtete ich den Quotienten Seitenanzahl zu Preis, um eine Kaufentscheidung zu treffen!

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Nîmes-Pont du Gard- Bagnols-s-Ceze (78/700hm)

Hinter Nîmes steigt die D127 langsam aber stetig an. Der Tachometer sackt immer mehr ab, Schweiss bildet sich auf der Stirn. Ich entspanne die Feinregulierung der Bremse etwas, um sicherzugehen, dass auch ja nichts schleift. Mir rutscht schon wieder das Herz in die Hose, wenn ich mir die folgenden Etappen durch die Berge der Auvergne auf unserem Weg nach Norden vorstelle. In Poulx biegen wir auf die D427 nach Westen ab. Die Straße ist ziemlich wellig, so schalte ich virtuos fast alle Gänge unserer Gangschaltung durch. Großer Fahrspass kommt da noch nicht auf. Im nächsten Ort geht es auf die D3. Bald ist der höchste Punkt erreicht und die Straße fällt durch eine kleine Schlucht hinunter zum Gard. Zwischen Collias und dem Pont du Gard ist ein Radweg durchs Hinterland ausgeschildert.
Der Pont du Gard ist ein absolutes Muss. Das sehen viele anderen auch so und deshalb ist hier immer etwas los. Heute sind leider alle Museen geschlossen, weil sich nachmittags ein Minister angesagt hat, um etwas anzusagen. Jedenfalls laufen überall wichtig aussehende Militärs mit viel Lametta herum, die mich böse anblitzen, als ich, meinen geradlinigen Kurs beibehaltend, auf ihren Flottenverband zusteure. Normale Vorfahrtsregeln haben bei solchen Anlässen ihre Bedeutung verloren.
Kurz vor Uzès liegt das Süssigkeitenmuseum von Haribo. Sehr anschaulich wird der Produktionsprozess im Wandel der Zeiten dargestellt. Mit besonderen Münzen kann man einige Abfüllmaschinen in Gang setzen und dann den Inhalt gleich testen. Besonders toll sind jedoch die Werbespots der letzten Jahrzehnte aus ganz Europa. Die gab es auch schon vor Thomas Gottschalk und der Schiedrichterwerbung von Walter Eschweiler für MA-O-AM.
Wir haben etwas getrödelt und sind noch recht weit von unserem Tagesziel entfernt, deshalb fahren wir an Uzès vorbei. Nach einer rasanten Abfahrt biegen wir auf die D23 nach Norden ab. Wir wollen eigentlich irgendwo südlich der Ardeche-Schlucht übernachten. An der Kreuzung der D6 treffen wir aber doch eine Sicherheitsentscheidung, nach Bagnols-s-Ceze weiterzufahren, weil es dort mehrer Hotels gibt. Auf einer breit ausgebauten Straße vervespern wir unsere erkämpften 250 Höhenmeter wieder. Abfahrten, auf denen man nicht bremsen muss, sind einfach ein Hochgenuss.

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Der römische Tempel von Nîmes Der Pont du Gard Ein 1000-jähriger Olivenbaum (aus Spanien umgepflanzt)

Gorges de l'Ardeche (73/800hm)

Um möglichst schnell zur Ardeche-Schlucht zu kommen, haben wir auf den ersten 14 Kilometern die N86 nach Norden genommen. Nicht besonders schön, aber effizient. Laut Michelin-Karte gibt es noch eine Ausweichsroute über die D148, D138 und D343. Auf der D901 biegen wir Richtung St. Martin-d'Archdeche ab und überqueren den Fluss auf einer Hängebrücke. Im Ort decken wir uns noch mit Getränken und etwas zu Essen ein. Die Panoramastraße oberhalb der Schlucht ist 37 Kilometer lang und hat durch ihr stetiges Auf und Ab etliche Höhenmeter aufzuweisen. Der ganze Ort scheint aus Kanuverleihstationen und Übernachtungsmöglichkeiten zu bestehen. In der zweiten Septemberwoche ist die Saison jedoch schon gelaufen. Während des ganzen Tages sehen wir nur sehr vereinzelt Kanufahrer in der Schlucht. Wie muss das hier wohl erst im Hochsommer zugehen.
Am Ortsende beginnt die Steigung und wir kurbeln bedächtig auf dem mittleren Kettenblatt nach oben. In regelmäßigen Abständen kommt man an Aussichtspunkten vorbei, die den Blick auf die tief unter uns liegende Ardeche freigeben. Kanufahrer die den letzten Ausstiegspunkt kurz hinter Vallon-Pont-d'Arc verpassen, müssen die ganze Strecke durch die Schlucht durchpaddeln. Die Wände sind so steil, dass zwischendurch kein Ausstieg möglich ist. Die klassische Durchquerung dauert 7-10 Stunden. In der Hochsaison gibt es anscheinend an den Engstellen immer wieder lange Staus. Man sollte entsprechend früh aufbrechen, um sich eine gute Ausgangsposition zu sichern.
Das zweite Highlight sind die berühmten Höhlen dieser Gegend. Wir haben die Grotte de la Madeleine auf halber Strecke besucht. Dazu fährt man von der Panoramstraße auf einem steilen Zufahrtsweg knapp 100 Höhenmeter hinunter. Die Höhle besteht aus einer Reihe prächtiger Säle mit riesigen Tropfsteinen. Ein Gebilde sieht aus, wie eine versteinerter Wasserfall, der von der Decke in Kaskaden herabstürzt. Die riesigen Hohlräume wurden durch unterirdische Flussläufe ausgewaschen. Als die Ardeche ihr Tal in den Kalkstein grub, fielen diese Wasserläufe trocken. Erst anschließend konnten sich die Tropfsteine bilden. Draußen an den Schluchtwänden sieht man immer halbe Höhlungen, die durch den Erosionsprozess der Ardeche freigelegt worden sind.
Auf dem höchsten Aussichtspunkt der Strecke treffen wir eine holländische Familie mit vollbepackten Rädern und zwei Kindern im Anhänger. Diese zeigen sich von der bewundernswerten Leistung ihres Vaters nur mäßig begeistert, der sie all die Höhenmeter hochgeschleppt hat, um ihnen diesen tollen Ausblick auf die berühmte Ardeche-Schlucht zu bieten. Ein Sandkasten, Freibad und Eis könnten deutlich höher im Kurs stehen.
Jetzt fällt die Straße steil zum Ausgangspunkt der Schlucht ab. Wir legen auf halber Höhe einen Sicherheitsstopp ein, um die Felgen etwas abkühlen zu lassen. In der engen Kehre muss man doch ziemlich stark abbremsen und ich möchte vermeiden, dass genau in diesem Moment ein Reifen platzt.
Am Eingang der Schlucht liegt die riesige Naturbogenbrücke Pont-d'Arc. Durch ständige Erosionsarbeit hat es die Ardeche geschafft, eine Felswand in einer Flussschlinge so auszukehlen, dass ihr der Durchbruch geglückt ist. In einigen 1000 (?) Jahren wird diese Natürbrücke durch das Fortschreiten der Erosion zusammenstürzen.
Von Vallon-Pont-d'Arc, dem Hauptzentrum des Kanutourismus, sehen wir nur den Supermarkt, um etwas zu trinken zu kaufen. Wir fahren gleich weiter nach Ruoms, dort ist es etwas ruhiger.

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die Ardeche-Brücke von St. Martin Blick zurück auf St. Martin Tropfsteine in der Grotte de la Madeleine der Pont-d'Arc

durch die Auvergne (1) (82/1150hm)

Auf der D579 geht es gemütlich an der Ardeche entlang, die hier ruhig durch ein weites Tal fließt. Kurz vor Aubenas nimmt der Verkehr stark zu. Die Stadt liegt ganz oben auf einem Hügel. Von einem Parkplatz haben wir einen großartigen Ausblick auf die Bergkette, die heute vor uns liegt.
Auf der D104 fahren wir aus der Innenstadt heraus, dann ein kurzes Stück auf der N102 bis zum Autostraßenschild. Zum Glück gibt es eine Nebenroute für Fahrräder nach Vals-les-Bains. Da wir heute noch einige Höhenmeter vor uns haben, radeln wir gleich weiter auf der D578 durch das Tal der Volane. Die Straße steigt sacht an und wir kommen gut voran.
Antraigues-s-Volane liegt hoch über dem Tal. Zum Glück sind unten an der Straße auch noch einige Häuser. Unter anderem eine kleine Kneipe. Hier kocht der Chef das eine Mittagsgericht persönlich. Uns schmeckts und ein Nachtisch samt Kaffee passen auch noch hinein. Jetzt wird die Straße aber merklich steiler und kurviger. Als wir hinter uns einen schweren LKW hören, weichen wir respektvoll auf einen kleinen Parkplatz aus. Ein Fahrschüler müht sich mit einem Sattelschlepper das Tal hinauf und ist sichtlich erleichtert sich und uns ein Überholmanöver erspart zu haben. Ansonsten haben wir die Straße fast für uns alleine. Über uns sehen wir Laviolle. Hier wird es zum ersten Mal richtig steil. Aber dazu gibt es ja ein kleines Kettenblatt und auf einer Bank im Ort die erste Verschnaufpause. Es sind noch acht Kilometer bis zur Passhöhe. Der Wind hat aufgefrischt und so legen wir uns an einem sonnigen geschützten Ort nochmals ins Gras, um das Tal hinunterzuschauen. Die Auvergne ist ein sehr karger Landstrich. Um einen Acker anzulegen, muss man mühsam Terassen in die steilen Hänge graben. Überall sieht man Esskastanien, den Brotbaum der Auvergne.
Die Höhenlagen um Mézilhac (1130) sind baumlos und werden als Viehweiden benutzt. An der Passhöhe liegt ein Hotel, das heute leider Ruhetag hat, schade. Hier oben ist es sehr windig und kalt. Im Westen sehen wir die Vulkankegel des Gebier de Jonc und des Mont Mézenc. Dort liegt auch die Loire-Quelle. Für heute sind wir genug Höhenmeter gestrampelt und so entschließen wir uns zur Abfahrt nach le Cheylard. Die Straße durch das Tal der Dorne ist zwar stellenweise frisch gemacht, aber trotzdem ziemlich holprig. Auf einem voll beladenen Tandem ist das etwas unangenehm, weil Captain und Stocker ziemlich durchgeschüttelt werden. Bei unserem Santana-Reisetandem ist uns zwar in den bisher 25000 Kilometern noch keine Speiche gebrochen. Dann müssen wir heute ja keine Premiere erleben.
Allmählich könnten wir etwas erfrischendes zu Trinken und einen kleinen Imbiss vertragen, aber in den kleinen Ortschaften finden wir weder ein Bistro noch eine Bar. In le Cheylard finden wir die preisgünstigste Übernachtung unseres Urlaubs: 81 € fürs Doppelzimmer, Abendessen und Frühstück. Das Tandem wird auf der Terasse hinter dem Haus von einem Hund bewacht, der uns zwar freudig schwanzwedeln begrüßt, aber mit meiner Bitte "Est-ce que vouz apportes les baggage, s'il vous plais?" nichts rechtes anzufangen weiß.

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Lanas an der Ardeche (D114) Im Tal der Volane (D578) Antraigues-s-Volane (D578) Hier kocht der Chef (D578) Hangterassen oberhalb von Lavoille (D578) Blick von der Passhöhe zum Mt. Mézenc Blick auf Sardige (D578)

durch die Auvergne (2) (63/800hm)

Heute klettern wir auf der D120 all die Höhenmeter wieder aufwärts, die wir gestern nachmittag hinuntergebraust sind. Früher hat es sogar eine Eisenbahn von le Cheylard nach St. Agrève hinauf gegeben. Im Tal sieht man immer wieder die alten Brückenbauwerke. Anscheinend gibt es auf der alten Trasse sogar einen Radweg. Mit unserem bepackten Tandem bevorzugen wir allerdings die Straße. Aber auch die haben wir fast für uns alleine.
Der starke Nordwind hält weiter an. Der Himmel variiert in mittel- bis dunkelgrau und das Thermometer blieb auf den Höhenlagen bei sieben Grad hängen. Im Bistro von St. Agrève haben wir uns erst einmal mit heißem Kakao aufgewärmt. An der Departementgrenze zu Haute-Loire überschreiten wir auch die Wasserscheide zum Atlantik. Auf der D103 wollen wir nach Tence hinunterfahren. Aber das wird bei diesem Gegenwind ein hartes Stück Arbeit.
In der Zwischenzeit sind wir ganz schön durchgefroren. Uns reichts jetzt erstmal und wir suchen uns ein schickes Restaurant zum Mittagsmenue. Wir sind zwar etwas spät dran, aber wir bekommen t5rotzdem noch einen Tisch angeboten. Der Nachtisch wird als Büffet auf einem Servierwagen gebracht. Da sich die Essenszeit dem Ende zuneigt, bietet man uns großzügig eine zweite Portion an. Das kommt gut...
Auf der D500 geht es durch welliges Gelände nordwärts und dann auf der D61 nach Dunières.

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Blick nach Süden zum Gerbier de Jonc (?) (D120)

am Oberlauf der Loire (78/550hm)

Der Morgen begrüßt uns mit einem ausgewachsenen Landregen. Irgendwann ist das ausgiebigste Frühstück zu Ende, die Sachen in den zum Glück wasserdichten Ortlieb-Packtaschen verstaut und die Rechnung bezahlt. Jetzt lässt sich die Abfahrt nicht mehr aufschieben. Heute kommt die vollständige Regenausrüstung zum Einsatz: wasserdichte Socken, Regenhose, Regenjacke mit Kapuze unter dem Fahrradhelm. Meine Hörgeräte packe ich trockenheitshalber gleich in die Lenkertasche. Im letzten Urlaub sind sie mal nass geworden und ich habe den ganzen Abend vergeblich versucht, sie durch Trockenpusten (!) wieder funktionsfähig zu machen. Über Nacht habe ich sie dann frustriert (mit offenem Batteriefach) in die Ecke gelegt. Am nächsten Morgen hat es dann zum Glück wieder funktioniert.
Wir verlassen Dunières auf der D44, um wieder auf die D500 zurückzufahren. Der Regen hört jetzt zwar auf, aber hier oben auf 800 Metern Höhe weht weiterhin ein unangenehmer kalter Nordwind. Die Abfahrt nach le Séauve-s-Semène ist klasse, aber gleich am Ortseingang geht es auf der D12 an der selben Talseite genauso steil wieder bergauf. Am höchsten Punkt überqueren wir die N88. Jetzt haben wir das wellige Hochland hinter uns und können auf der D471 abwärts rollen.
In la Chapelle-d'Aurec ist erst mal wieder Aufwärmen in einer Bar angesagt. Freitag früh um elf sind wir die einzigen Gäste. Auf der D47 geht es hoch über der Loire nach Aurec-s-Loire. Hier beginnt der große Loirestausee, der uns die nächsten zwanzig Kilometer begleiten wird. Der Nachbarort ragt wie eine Halbinsel in den See hinein. Wir haben Hunger und stürmen das nächste Restaurant. Mittags beschränkt sich die Auswahl meistens auf das Tagesgericht. Bisher sind wir damit immer ganz gut gefahren. Heute ist allerdings Freitag und es gibt einen richtigen Berg kleiner gegrillter Fische, die jeweils nicht größer als ein Daumen sind. Diese werden mutig mit Haut und Haar verschlungen. Leider sind sie bereits nach der Hälfte kalt geworden und schmecken dann etwas fade. C'est la vie, wie der Franzose zu sagen pflegt.
Die Straße ist jetzt abgetrocknet und pünktlich zur ersten Steigung der D108 kommt die Sonne zum Vorschein. Sofort verschwindet die Regenjacke wieder im Gepäck. Die Route umfährt den Stausee auf den Höhenzügen des westlichen Ufers. Die Michelinkarte verzeichnet zwei Steigungspfeile, die sich aber weit und breit nicht sehen lassen.
Chambels liegt wie auf einem Balkon hoch über dem See. Am anderen Ufer sieht man die Überreste einer alte Bahntrasse mit kleinen Tunnels und Einschnitten, die ganz allmählich im See versinkt.
Die Abfahrt nach St.Just-St.Rambert lässt nochmals großen Fahrspaß aufkommen. In der Ebene wird das Vorwärtskommen gegen den Wind zunehmend anstrengend. Vom großen Kettenblatt haben wir uns verabschiedet und kurbeln etwas lustlos in mittleren Gängen weiter.
In Craintilleux kann ich endlich das Zeichen zum Abfallen geben. Die D101 soll uns auf Halbwindkurs zu unserem Tagesziel St. Galmier bringen. Gleich am Ortseingang sehen wir ein Hinweisschild zu einem Dreisterne-Hotel. Wir finden, dass wir uns das durchaus verdient haben. Außerdem klingt die Speisekarte fürs Abendessen sehr verführerisch. Auch ohne Anzug und Abendgarderobe macht das Menüessen in Frankreich Spaß.
Zwischen uns und Lyon liegt zwar noch die Wasserscheide von Atlantik zum Mittelmeer. Aber jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

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Vorbereitung zu einer Regenfahrt (Dunières) Bar in la Chapelle d'Aurec Am Oberlauf der Loire (D47) Blick von Chambles auf den Loire-Stausee

zurück nach Lyon (62/600hm)

St. Galmier liegt am Hang und da wir gestern das erste und damit am weitesten unten liegende Hotel gewählt haben, müssen wir heute den ganzen Berg hinauf kurbeln. Am Ortsausgang auf der D12 lässt die Steigung nach und das mittlere Kettenblatt kommt wieder zum Einsatz. Auf der D2 radeln wir nach St.Symphorian, dort finde ich die Abzweigung zur D11 nicht und so frage ich einen Einheimischen etwas holprig nach dem Weg nach St.Martin. "Aaah St.Martin-en-Haut, vouz prennez ...." antwortet er, um mir zu zeigen, wie wohlklingend und formvollendet man Ortsnahmen aussprechen kann. Wie schon gesagt, von der Sprachmelodie kann ich Franzosen stundenlang zuhören, ohne auch nur ein Wort zu verstehen. "... la (le?) premiére route a gauche" habe ich dann aber doch noch mitbekommen.
Am Vorabend haben wir uns auf der Straßenkarte den niedrigsten Übergang über die Hügelkette gesucht, die uns noch vom Rhônetal trennt. Die letzten Meter bis nach oben legen wir zwar wieder auf dem kleinen Kettenblatt zurück, jetzt kann aber wirklich nichts mehr passieren. Wir sind jetzt fast 600 Höhenmeter über Lyon. Die Straße ist breit ausgebaut, der Asphalt gut und die Kurven nicht zu eng. Am rechten Rand ist zwar ein vorbildlicher Radweg aufgemalt, aber bei hohem Tempo möchte ich zumindest in den Kurven noch etwas Spielraum bis zum Straßenrand haben. Mit einer tollen Aussicht ins Rhônetal wird es leider nichts, dazu ist es zu diesig. Über die D75 / D50 erreichen wir ohne Schwierigkeiten Quillins, einen südlichen Vorort von Lyon dirket an der Rhône. Hier schließt sich unser Kreis. Gerade möchte ich Martina fragen, ob sie sich noch an diese Kreuzung erinnert, wo wir vor drei Wochen einem Auto unberechtigterweiße die Vorfahrt genommen haben. Natürlich kommt wieder eines und zum Bremsen ist es wieder zu spät. Fehler sind eben erst dann so richtig lehrreich, wenn man sie zum zweitenmal macht.
Die Einfahrt nach Lyon am Ufer der Saône ist sehr entspannend. Unmittelbar vor der Innenstadt passiert es dann doch. Die Straße verschwindet unter dem Bahnhof Perrache in einem Tunnel, am anderen Ende vermuteten wir die Autobahn. Andere Abzweigungen enden im Parkhaus oder auf dem Omnibusbahnhof. So ein Mist. Wir sind dann abgestiegen und haben die restlichen Meter zu Fuss über die Grünanlage zurückgelegt. Na ja, ein etwas unelegantes Finale nach einer rundum geglückten Tour.
Bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten wir noch 24 Stunden Zeit, in Lyon stadtzubummeln. Die Rückfahrt des Tandem erfolgte wieder bequem in einem IC-Steuerwagen der Deutschen Bahn. Auch die Franzosen scheinen diesen Zug zu schätzen, etliche Studenten haben ihre Fahrräder nach Strasbourg transportiert.

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Die letzten Hügel vor Lyon Lyon a Velo 2003 Straßen in Lyon gemalte Fassaden in Lyon Der bequemste Fahrradtransport bei der Bahn

geändert am 27.02.04